Jakobsweg 2008

Vor 7 Jahren hörte ich zum ersten Mal von diesem Pilgerweg. War sofort begeistert. Mein erster Gedanke war, jedes Jahr ein Stück des Camino zu gehen. Ich erfuhr im Laufe meiner Recherchen, dass man nicht unbedingt zu Fuß nach Santiago pilgern muss. Es ist ebenso möglich, die Strecke per Fahrrad oder Pferd zu absolvieren, um die Pilgerurkunde am Ziel überreicht zu bekommen.
Mein Entschluss stand schnell fest: Den Camino mit dem Mountainbike beschreiten. Nach Studium einiger Bücher und dem Internet reifte mein Plan, mit der Bahn bis nach Bordeaux zu reisen und mich dann aufs Fahrrad zu schwingen. Jedoch machte mir der Umstand, dass ich in Paris vom Gare du Est zum Gare Austerlitz radeln muss, großen Kummer. Mit einem schwer beladenen Rad kommt man nicht in die Metro. Es ist unmöglich, durch die Drehkreuze zu gelangen. Ich hätte also sechseinhalb Kilometer radeln müssen - durch die Großstadt Paris. Und das in 40 Minuten. Nein, mitnichten!
Ich entschied mich, die komplette Strecke von meinem Heimatort Griesheim bis nach Santiago mit dem Fahrrad zu meistern. Die lange Reise durch Frankreich schien nützlich, in Ruhe und Konzentration über einige wichtige Dinge in meinem Leben nachzudenken. Zunächst den Rheinradweg bis Straßburg benutzen, zum Einradeln sozusagen. Dann durch das Elsass und die südlichen Vogesen. Schließlich immer weiter westwärts bis nach Vezelay in der Bourgogne. Dort beginnt eine der Hauptrouten nach Santiago, die Via Lemovicensis, die mich bis an den Fuß der Pyrenäen nach Saint-Jean-Pied de Port führen sollte. Hier wird der Camino Frances, wie man ihn in Spanien nennt, international. Menschen aus aller Welt starten von dort, um nach ca 750 km Santiago de Compostela in Galicien zu erreichen.

Meine Entscheidung, schon zu Hause mit meinem Fahrrad zu starten, war richtig. Es fiel mir in den ersten Tagen nicht leicht, immer alleine zu sein. Ich hatte mit den Tücken des Alltags zu kämpfen: Lebensmittel organisieren, jeden Abend einen Schlafplatz sichern, mit den Menschen reden - und das mit meinem mäßigen Französisch! Jedoch gab Frankreich mir die Zeit, mich langsam zu akklimatisieren. Das war wichtig. Später bestanden überhaupt keine Berührungsängste mehr. Diese Tatsache stärkt einen.