29. Tag, Dienstag
Najera - Belorado
Tages-km: 51
Gesamt-km: 1959
Man merkt es schon: Es wird später hell. Obwohl wieder um sechs Uhr aufgestanden, konnte ich erst um halb acht los. Die Fahrt ging über Hügel und Täler, durch vereinzelte Wein- und Getreidefelder. Die Schönheit der Landschaft hat etwas nachgelassen. Der Camino verlief größtenteils entlang der vielbefahrenen Landstraße N 120.
120. 


Santo
Santo Domingo de la Calzada ist ein Ort mit großer Pilgertradition. Hier gibt es folgende Legende, die in vielen Kirchen immer wieder dargestellt wird:
Eine Familie pilgerte im 14. Jahrhundert nach Santiago. In Santo Domingo versuchte die Magd des Wirtshauses den Sohn zu verführen. Dieser wies sie jedoch zurück, worauf hin sie sich für die Zurückweisung rächte, in dem sie ihm einen Silberbecher in sein Gepäck steckte und ihn am nächsten Morgen des Diebstahls bezichtigte. Der junge Mann wird festgenommen und gehängt, doch bevor die Eltern die Reise fortsetzten, vernahmen sie seine Stimme, er hänge am Galgen, lebe aber noch, da er vom heiligen Jakobus noch an den Beinen gehalten wird. Die Eltern eilten sofort zum Richter, der im Wirtshaus gerade ein Huhn und einen Hahn verspeiste. Auf die Erzählung der Eltern lachte dieser herzhaft mit der abfälligen Bemerkung, ihr Sohn sei genauso lebendig wie die beiden Vögel auf seinem Teller. Kaum gesagt, wächst denen neues Gefieder und sie fliegen davon - womit die Unschuld des Sohnes bewiesen war.
In der Kathedrale befindet sich das berühmteste Hühnerpaar Spaniens in einem Käfig. Man wollte mir jedoch für die Begegnung mit den "heiligen Federviechern" 3,50 Euro abknöpfen. Mein Einwand, dass ich als Katholik im Kölner Dom und im Petersdom keinen Obulus zu entrichten hätte, interessierte leider keinen. Dann verzichte ich lieber auf das "Hühnerwunder", denn das ist Geschäftemacherei ersten Ranges.
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Darüber
Über das verpasste "Erlebnis" schmolle ich nun in meiner Pilgerherberge in Belorado vor mich hin. Ich teile mein Schlafgemach mit 23 Pilger/innen. Sau gemütlich.
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Die
Die Provinz Rioja habe ich verlassen und nähere mich langsam der großen Stadt Burgos. Sind noch etwa 60 km.
Meine Erkenntnis des Tages: Es gibt auch negative Wunder.